Was will denn der mit dem aufgestellten Kragen da? - Wirtshaus

Was will denn der mit dem aufgestellten Kragen da?

Ihr findet, dass ich fehle? Ich, der Rietzer Hof?
Das freut mich, klar!
Denn ich fühl´ mich wie Braut oder Bräutigam:

Jung. Aufgeschlossen. Vielseitig. Schön. JA-SAGE-BEREIT.
Super ausgestattet und mit Erfolgspotenzial.
Zu selbstverliebt? Entscheidet selbst…

Der Rietzer Hof

Ich schau auf eine lange Geschichte zurück. Als Restauration, kurz als „Die Reste“, war ich ein Hot-Spot – von Anfang an. Für Fuhrleute und Feriengäste, für Politiker und Party-Freaks, für Touristen und Tirol-Eroberer, für Feinschläfer und Feinschmecker, Künstler und Kenner. Für gesellige, interessante Leute halt. Gründe für meine Popularität? Meine Lage in Rietz, ideal in Bahnhofsnähe, gleich an der Tiroler Straße. Und meine Gastlichkeit, die immer in mir geblüht hat wie ein Hollerbusch. Bis zum 15. März 2020. Bis zum Covid-19-Lockdown.

Leerer Gastgarten des Rietzer Hof
Leerer Gastgarten im Rietzer Hof

Was will denn der mit dem aufgstelltn Kragn da?

Vieles, was unter meinem Dach passiert ist, hat Lebenswege verändert, Menschen geprägt und mit Freude erfüllt. Wie ich das meine? Da gibt es viele Geschichten.

Eine berührende vielleicht, die Thomas Höpperger, mein ehemaliger Geschäftsführer erzählt (der aber, als sie passierte, noch nicht mein Geschäftsführer war): „Es war wiedermal so einer von diesen Samstagabenden. Du bist zwar mit Kollegen, unterhaltst dich gut, fühlst aber in dir doch eine gewisse Leere. Da steh ich so im Rietzer Stadl an der Bar, schau in die Runde und plötzlich bleibt mein Blick an zwei Augen, einem Gesicht, einer Ausstrahlung hängen. Eingfahrn is wie a Blitz. Ja sie war Barkeeperin. Und wählerisch. Sie hat sofort zu ihrer Freundin gesagt: „Was will denn der mit dem aufgstelltn Kragn da?“. Aber gefunkt hat’s bei ihr wie bei mir. Und seither ist sie meine Freundin und Verlobte. Im Rietzer Hof unsere Hochzeit zu feiern, das wär‘ ein filmreifes Happy End.“

Bar Rietzer Hof
Rietzer Hof Bar, (c) Philipp Reiter
Die Bar im Rietzer Hof

Worauf ich als Gasthof besonders stolz bin? Zuallererst auf meine Gäste. Auf die Stammgäst, die Einheimischen, die treuen und begeisterten Tagesgäste, die Reisenden und Geschäftsleute und natürlich ganz besonders auf die Menschen, die hier bei mir ihre Auszeit nehmen, weil sie mein Ambiente, mein Service, die Lebensart und das paradiesische Umfeld im schönen Tiroler Oberland schätzen. Und die wissen, dass hier jeder Winkel seine eigene Geschichte zu erzählen vermag.

Zum Beispiel die vom großen Erfolg der Benefizveranstaltung zugunsten der Tumorforschung in Zams unter Professor Ewald Wöll, die 15 Mal, Jahr für Jahr in meinen Räumen über die Bühne gegangen ist. Meine Betreiberfamilie war da mit viel Herzblut dabei, nicht nur, weil zwei ihrer Familienmitglieder an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt waren. Als mein Geschäftsführer so tief persönlich in diese Geschichte eintauchen musste hat er fast schon hörbar laut zu sich gesagt: „Thomas, da musst du dranbleiben, es ist richtig was wir tun.“ Und der Erfolg dieser Aktion – mit Modenschauen, Musik und großer Kulisse – war unglaublich. Ich hoffe zutiefst, 2019 war nicht das letzte Mal!

Der Stammtisch

Was mich mit enormer Freude erfüllt ist mein Standing in der Rietzer Bevölkerung. Auch da weiß Thomas Höpperger ein Beispiel: „Der Rietzer Hof ist ein Dorf-Gasthaus im wahrsten Sinn. Alle Rietzerinnen und Rietzer leben mit. Sie kommen oft und gern und haben uns immer unterstützt. Einmal war eine Hochzeit auszurichten für die wir als Location kurzfristig eingesprungen sind. Auf die Schnelle waren wir total überfordert. Aber ein paar Anrufe haben genügt, und schon standen Tanja und Conny auf der Matte und haben uns voll beim Dekorieren, Vorbereiten und in der gesamten Abwicklung unterstützt. So schön!“

Schon der ehemalige Landeshauptmann Eduard Wallnöfer hat sich in den 1960er Jahren am Stammtisch in meiner Stube mit dem Ökonomierat Schweigl getroffen und hier die Weichen für seine Karriere gestellt. Nicht umsonst besuchte er, der ja unser Land geprägt hat wie kein Zweiter, alljährlich zu Weihnachten am Rietzer Friedhof das Grab seines Mentors. Natürlich durfte ich auch viele große Frauen und Männer bewirten. Schauspieler wie Tobias Moretti gingen bei mir ein und aus. Der legendäre Fussballer Gischi Westerthaler hat höchst-eigenhändig die Tram in meiner Stube gestrichen. Ja, schöne Zeiten waren das!

Weil ja ohne Wurzeln ALLES NICHTS ist, noch kurz zu meiner Geschichte:

Den Rietzer Hof gibt es seit 1904

Begonnen hat es schon mit meinen Erbauerinnen, den Geschwistern Maria und Walburga Mader, deren Namen man auf ihren 1904 an den Rietzer Gemeindeausschuss gestellten Grund-Kaufanträgen in der Ortschronik sehen kann. Sie haben mich als stattlichen, typischen Oberländer Gasthof errichtet, mit einem großzügigen, eingezäunten Garten, teils als Terrasse überdacht. Um 1910 hat mich Rosa Rimml geführt, 1940 wurde ich geschlossen, weil mein Inhaber, Josef Mader, zum Wehrdienst einrücken musste. In den 50iger Jahren kamen neue Besitzer: Zenzi und Gotttreu Barbist, wie ein alter Prospekt belegt. Wie Phönix aus der Asche erstieg ich 2007. Da hat mich Richard Cammerlander generalsaniert und um einen auf 150 Personen ausgelegten, „musikantenstadeligen“ Veranstaltungsraum (O-Ton Kronenzeitung), den Rietzer Stadl, erweitert. 2009 stand ich für kurze Zeit still. Dann hat mich Harald Höpperger, der bekannte Oberländer Entsorger, quasi „aus einem einjährigen Dornröschenschlaf“ erweckt. Seit Dezember 2015 bin ich Eigentum der Familie Höpperger und wurde bis zum Lockdown von einem voll motivierten und engagierten Team geführt.

Der Rietzer Stadl

All die Jahre begleiteten mich zwei Dinge. Erstens: Immer war ich top ins Orts- und Zeitgeschehen involviert, also am Puls der Zeit, dank meiner vielen illustren Gäste. Zweitens: Die Atmosphäre im Haus war immer jung, weltoffen und von Stolz und Zusammenhalt mit den Rietzerinnen und Rietzern geprägt.

Wie gesagt, bis zum März 2020 war alles in Butter.

Wir hatten einen vollen Veranstaltungskalender für 2020 – Hochzeiten, Firmenevents, Geschäftstreffen, unser hervorragender Küchenchef wurde von einem neuem Küchenberater unterstützt, Zimmerbuchungen für die großen renommierten Firmen der Umgebung wie Thöni oder Liebherr, fixe Einnahmen waren vorprogrammiert. Als alles weggebrochen ist, war es klar, dass es nicht weitergeht. Also kein Fasnachtsball mehr? Nix mehr mit Location als Hochzeitsmesse, Motorradweihe, Dirndlclubbing, Weihnachtsfeiern, Modeschauen, Disco, Weinverkostungen, Weihnachtsmarkt mit Lesungen, Theke und Glühwein-Ausschank? Das kann und möchte ich nicht glauben!

Der Rietzer Hof eignet sich hervorragend für Veranstaltungen

Meine motivierten Betreiber seit 2016 haben hier täglich mit ihren Mitarbeitern die Mittagspause verbracht, gemeinsam mit den Stammgästen so mancher anderer großer Firmen, die hier ansässig sind, gab es immer einen regen und für alle gewinnbringenden Austausch unter meinem Dach. Jetzt, wo ihr eigentliches Geschäft ihren vollen Einsatz verlangt und sie in andere Häuser ausweichen müssen, wird ihnen einmal mehr bewusst, dass ich eine große Lücke reiße. Sie würden jeden, der sich von mir und meinen Möglichkeiten angesprochen fühlt, voll und ganz unterstützen und sich freuen, denn sie sind überzeugt:

Angricht´ is. Das Haus ist komplett, es hat Potenzial, nur eine coole Gastronomin oder einen Betreiber, der wieder aufsperrt, bräucht´ma halt…!

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