Juhuu!! Bald gemma wieder aussi zum Peterbrünnl... - Wirtshaus

Juhuu!! Bald gemma wieder aussi zum Peterbrünnl…

… und da kehr ma dann ein. Nein?
Doch!
Denn ICH, das Gasthaus zum Peterbrünnl, seit einiger Zeit geschlossen, habe einen neuen Pächter! Und öffne wieder meine Pforten. Und den Gastgarten. Und die Küche. Und meine uralte Stube zum geselligen Beisammensein! Glückliche Zufälle und das Land Tirol mit seinem Maßnahmenpaket zum Erhalt der Tiroler Wirtshauskultur haben zusammengespielt. Für mich!

Das Peterbrünnl

Beginnen wir ganz vorne. Bei meiner jüngsten Geschichte. Denn sie ist von vier Glücksfällen geprägt:

Erster Glücksfall: Ich hatte die Freude, jahrzehntelang bestens und ambitioniert geführt worden zu sein. Und alle, nicht nur die Menschen und Vereine aus der Nachbarschaft, sondern viele Innsbruckerinnen und Innsbrucker, Reisende und Wandernde aus Nah und Fern, Jung und Alt haben mich geliebt und geschätzt. Viele Stammgäste waren mir treu. Mein schattiger Gastgarten mit den großen Kastanienbäumen, meine heimelige Stube und die Köstlichkeiten aus Küche und Keller zogen wie ein Magnet. Ich war ein Stück Lebensqualität und sozialer Treffpunkt für Sieglanger-Mentlberg und weit darüber hinaus. Dass in meinen Räumen gesungen und gespielt wurde, versteht sich von selbst.

Der Gastgarten mit großem Kastanienbaum und schönem Ausblick

Zweiter Glücksfall, dem ein weniger glückvoller Anlass vorausging: Meine langjährigen Betreiber haben Anfang 2020 beschlossen, neue Wege an einem anderen Standort zu gehen. Damit war mein Stillstand vorprogrammiert. Zum Glück hatte mich ein einheimischer Investor gekauft, der allerdings kein Gastronom ist. Und jetzt kommt das Glücks-Ereignis schlechthin: Der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi hat zufällig meinen neuen Pächter Günther Heumader getroffen und von ihm gehört, dass sein Restaurant-Pachtvertrag nicht verlängert worden war und er somit für eine neue Herausforderung bereitstünde. Gehört, kombiniert. Gesagt. Getan. Der Stein wurde ins Rollen gebracht, sprich: es wurde die Standortagentur Tirol informiert.

Dritter Glücksfall: Mit der Standortagentur kam die Wirtshausübernahmeinitiative des Landes Tirol ins Spiel. Deren Maßnahmenpaket mit den Förderungen und unterstützenden Beratungen legten die Basis für diese Erfolgsmeldung und mein Glücksgefühl: Ich habe einen neuen Pächter, für den ich – ja ICH – ein Glücksfall bin!

Die wunderschöne Stube des Gasthofes Peterbrünnl

Meine Zukunft leuchtet rosig. Günther ist voll motiviert. Mit Mut und Leidenschaft, kulinarischem Talent und Kreativität. Die Speisekarte ist gestaltet. Der Herd poliert. Ich kann das neue Treiben in meinen Räumen und meinem Garten kaum erwarten! Ein Blick ins Menü lässt schon jetzt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Nur regionale Zutaten werden verwendet, ein schöner Reigen aus traditionellen Tiroler Speisen und beliebten Schmankerln aus dem erweiterten Tiroler Raum sind vorprogrammiert. Und je nach Saison und Jahreszeit gibt es Köstlichkeiten außerhalb der Standardkarte wie zum Beispiel Spargel. Auch werden sich bei mir wieder Vereine treffen. Und natürlich wird auch wieder g´sungen und tanzt und g´spielt. Meine – und hoffentlich auch Eure Stimmbänder – sind geschmiert!

Ja, und zu diesem Thema gehört ein älterer, ganz besonderer Glücksfall: Das bekannte Volkslied „s´ Peterbründl“ ist ein Ohrwurm und Gassenhauer, der in geselligen Runden erklingt
und mit aberwitzigen Stegreif-Text-Interpretationen punktet. Dass es wirklich auf mich hingetextet
wurde, ist eine schöne Geschichte, die schon Franz Friedrich Kohls Sammlung „Echte
Tiroler-Lieder“ aus dem Jahr 1899 bestätigt. Mit Lied Nummer 113 bin zweifellos (auch) ich,
das Peterbründl bei Innsbruck, gemeint. Auf jeden Fall ist mir Kultstatus und ein
unverrückbarer Stellenwert in der Wirtshaus-Musik-Kultur garantiert.

Das Volkslied „s´ Peterbründl“

Und nun noch ein wenig Historie. Da muss ich gestehen, dass ich hin und her gerissen bin zwischen (m)einer Geschichte, nachzulesen im Internet (www.tirol-schellack.at) und den historischen Fakten, dokumentiert etwa im Buch „Vom Wirtshaus zum Grand-Hotel“ und auf historischen Landkarten.

Zuerst meine Wunschstory – frei nach tirol-schellack.at: Peter Anich (geb. 1723 – 1766 in Oberperfuss) soll mir, einem angeblich über vierhundert Jahre alten Wirtshaus, seinen Namen verliehen haben. Wie das? Der berühmte Tiroler Bauer, Geodät und Kartograf soll, so die Geschichte, immer an Sonn- und Feiertagen zum Studieren von Oberperfuss nach Innsbruck gegangen sein. Dieser 15-Kilometer-Fußmarsch habe ihn an mir vorbeigeführt, dem „Brünnl“, damals ein „Quell-, Heil- und Badehaus mit Bewirtung“. Und weil er sich hier stets gelabt habe, wurde ich, so die Überlieferung, Mitte des 18. Jahrhunderts, nachdem er berühmt geworden war, in „Peterbrünnl“ umbenannt!?

Dann die wahrere Geschichte – aus Peter Walder-Gottsbachers Buch „Vom Wirtshaus zum Grand-Hotel“, Seite 132: Bis zur Erbauung des Gasthauses „Peterbrünnl“ 1874 stand an meiner Stelle eine kleine Kapelle, an der ein kleiner Bach vorbeifloss und die Bezeichnung „Pettlerprinl“ trug. Am dort bestehenden Brunnen pflegten Bettler und Landfahrer zu lagern, bevor sie die Stadt betraten.

Der noch immer bestehende Brunnen vor dem Gasthof

Wahr, wahrer, am wahrsten? Offenbar sind auch Peter Walder-Gottsbachers Fakten (zwar nur ganz geringfügig) dehnbar, denn im Tiroler Anzeiger liest man am 5. Juli 1867 vom „neuerbauten Gasthaus Peterbrünnl“ (auf Seite 6).

Und der „Plan der Umgebung von Innsbruck“ weist mich bereits 1866 Schwarz auf Weiß als Gasthaus aus.

Umgebungsplan von Innsbruck aus dem Jahre 1866

Um 1885 gehörte ich Anton Pall, um die Jahrhundertwende waren Andrä und Rosa Jaufenthaler meine Besitzer, ab 1904 Hans Jerouschek und ab 1909 hat mich ein Josef Bugelnig ersteigert. Ab 1936 wurde Peter Riml als mein Eigentümer geführt. Und die folgenden Besitzer würden sich leicht feststellen lassen.

Viel wichtiger ist aber, was Medien von damals bezeugen: Dass ich stets ein beliebter Treffpunkt war.

1879
1899
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