Einmal an-schupfen bitte - Wirtshaus

Einmal an-schupfen bitte

Dass ich fehle, ist klar!
Nicht nur als Mosaikstein in der Tiroler Geschichte. Vielmehr als Ort der Tat. Als Heimat-Bühne voller Kraft und Tradition. Als Treffpunkt für Menschen mit Herzblut, Weitblick und Toleranz. Ich habe viele Talente – nur im Daumendrehen, da bin ich ganz schlecht. Seht selbst…

Seit 1566 bin ich eine „Wiertstafern“ und somit eines der ältesten Gasthäuser von Tirol. Viel Zeit ist vergangen, seit Adam Rangger, mein erster Betreiber, die „Wirtsgerechtsame“ – das Recht, mich als Wirtshaus zu führen – vom Abt des Stiftes Wilten erhalten hat.

Ich stehe mitten im schönen Land Tirol an der Alten Brenner Bundesstraße auf Mutterer Gemeindegebiet. Zehn Fahrminuten von Innsbruck, zwei von der Autobahnausfahrt Innsbruck Süd. Interessant für Gäste und Caterer oder Lieferanten, nicht wahr? Seit 1977 unter Denkmalschutz gehöre ich der Familie Auer. Otto Auer hat mich ab 1985 renoviert und Ende 1987 wiedereröffnet. Seither – genaugenommen bis Dezember 2019 – war ich ein nicht ganz gewöhnliches Wirtshaus mit stets zufriedenen Pächtern.

Gasthof Zum Schupfen, (c) Philipp Reiter
Der Gasthof Schupfen an der Alten Brenner Straße

Alle waren erfolgreich, jeder auf seine Art. Mein Schweizer Wirt machte mich für Käsefondue berühmt. Mit meinem Tiroler, der ein halber Franzose war, stieg mein Renommee als Slow-Food-Gourmet-Restaurant. Vom Gartenfest bis zur Silvester-Gala, von der Rodelrennen-Preisverleihung bis zum Faschingsball – in meinen Räumen spielte sich alles ab. Meine Zimmer waren rund ums Jahr gefragt. Nicht nur bei Durchreisenden. Auch Wintersportler, Natur-Freaks und Kultur-Fans schätzten meine Adresse, denn mit der Landeshauptstadt Innsbruck ums Eck erreicht man trotzdem in kurzer Zeit traumhafte Schi- und Wandergebiete wie Patscherkofel, Schlick, Axamer Lizum, Mutterer Alm oder den Stubaier Gletscher. Meine Nähe zum Brenner punktet natürlich extra! Gäste aus Italien liebten mich nicht nur zur Christkindl-Markt- und Törggele-Zeit.

Gasthof Zum Schupfen, (c) Philipp Reiter
Der Eingang in ehrwürdige Gemäuer

Kunsthistorische Relevanz

Breit gelagerter, zweigeschossiger Mauerbau mit ausgebautem Dachgeschoß unter Satteldach, Giebelfassade durch einen dreiseitigen Erker über leicht eingeschwungenem Anlauf und Rundbogenportal strukturiert. Im Inneren spätgotische Baudetails: breite Flure mit gratigem Stichkappengewölbe und einläufige gewendelte Treppe.

Gasthof Zum Schupfen, (c) Philipp Reiter
Das Gewölbe im Flur
Gasthof Zum Schupfen, (c) Philipp Reiter
Die gewendelte Treppe

Kalkül mit Gefühl

Tiroler Traditionsgasthaus mit Gastgarten, drei Gaststuben mit teils historischem Inventar und Bildern, Bar und voll ausgestatteter Top-Küche. Sechs gemütliche Doppelzimmer mit Bad/Dusche. Ideal für Zwischenstopps oder als Ferienwohnungen für klassische Sommerfrische oder Schiurlaub. Personalzimmer, Lager- und Kühlmöglichkeiten und kinderspielplatztauglicher Garten. Last but not least: eine großzügige Betreiberwohnung im ersten Stock. War´s das schon? Nein! Denn dort, im ersten Stock, befindet sich mein einzigartiger Gäste-Magnet: DAS Andreas Hofer Zimmer. Unverändert wie vor 200 Jahren präsentiert es sich als ergreifendes Museum: mit originaler Bettstatt und Bettwäsche, Waffe und Waffensack, Kanonenkugeln und von Hofer persönlich signierten Dokumenten. Und der Besucherstrom reißt nicht ab.

Andreas Hofer Zimmer im Gasthof Zum Schupfen, (c) Philipp Reiter
Gasthof Zum Schupfen, (c) Philipp Reiter
DAS Andreas Hofer Zimmer

Einmal an-schupfen bitte!

Ja, Andreas Hofer, Sandwirt aus dem Passeiertal, hat 1809 hier gewohnt, Kriegsrat gehalten und die Verteidigung von Tirol organisiert. Doch was war vorher? Als „Schupfen“, was „Lagerhütte“ bedeutet, war ich Teil des Falkenhofes, der 1400 erstmals in einem Güterverzeichnis der Trautson von Matrei aufscheint und 1455 an das Stift Wilten ging. Seit 1566 ist der Falkenhof in Verbindung mit einer „Wiertstafern“ genannt. 1646 kaufte mich Christoph Mayr, Wirt in Mutters. Die Nord-Süd-Verbindung Brennerroute führte schon immer an mir vorbei. So war ich zu Fuhrwerk-Zeiten ein „Vorspannhof“, sprich, Pferdewechselstation für Transporte über den Brenner. Dass man „vorspannen“ musste war klar, denn für beladene Karren gab es nach der Stephansbrücke kein Weiterkommen mehr. So rastete man hier, mietete Vorspannpferde und Rossknechte, die bei mir logierten, und zog mit doppelten PS bis Schönberg hinauf. Dort wurde abgespannt und die Knechte führten die „Zusatzmotoren“ wieder zu mir zurück. 20 bis 30 Rösser standen in meinem (inzwischen verschwundenen) Schupfen!

Nun zum legendären Jahr 1809. Da war ich das HQ des Andreas Hofer.
Dazu der Allgemeine Tiroler Anzeiger 1927.

„Auf der Brennerstraße, kurz vor der Stefansbrücke steht ein altes Wirtshaus. Es ist das Schupfenwirtshaus, das wohl daher seinen Namen führt, weil ihm ein großer Schupfen angebaut ist, in dem die Fuhrwerke ihre Wagen über Nacht einstellten. Das Wirtshaus gehört zur Rotte Raitis der Ortsgemeinde Mutters. Einst befand sich dort auch ein Weggeldamt. Eine kleine Kammer mit zwei Fenstern, einer bemalten Bettstatt, einer uralten Truhe und einigen primitiven Möbelstücken wird als das Schlafgemach des Sandwirts bezeichnet. Wiederholt war das Schupfen Wirtshaus Zeuge blutiger Ereignisse, namentlich, als im Jahre 1809 die Franzosen und Bayern bei ihren Rückzügen und Aufmärschen über den Brenner, in der „Reibe“ (Krümmung), wo das Wirtshaus steht, von den in den Wäldern versteckten Tiroler Schützen heftig beschossen und überfallen wurden.“

Wie ich zur Hauptquartier- „Ehre“ kam? Mein Wirt, Johann Etschmann, war Freund und Vertrauter von Andreas Hofer, der im Tiroler Volksaufstand 1809 den „Landsturm“ gegen die napoleonischen Truppen und ihre bayrischen Verbündeten anführte. Etschmann hatte ihm für die Schlachten am Berg Isel mich, sein Schupfenwirtshaus, als Kommandozentrale zur Verfügung gestellt.

Gasthof Zum Schupfen, (c) Philipp Reiter
Auch die Marmortafel auf der Vorderseite des Gasthofes zeugt von dieser Zeit.

Hofer Ander, am Morgen des 29. Mai musst Du angreifen, dann siegen die Tiroler!

Dazu eine alte Erzählung: „Am Abend des 25. Mai 1809 saß der Sandwirt Andreas Hofer im Gasthof Schupfen mit seinen Getreuen zusammen. Plötzlich erschien ein alter Mann und verlangte, zum Sandwirt vorgelassen zu werden. Als er vor dem Tisch stand, an dem Hofer saß, sagte er: „Hofer Ander, am Morgen des 29. Mai musst Du angreifen, dann siegen die Tiroler!“ Der Alte verschwand und trotz ausführlicher Suche konnte nie ermittelt werden, wer dieser Mann war. So entstand die Meinung, ein Engel sei in Verkleidung des Alten erschienen und hat dem Sandwirt den Termin für den Angriff mitgeteilt.“

Die Ereignisse von damals garantieren mir natürlich Events und illustre Gäste: 1890 hatte ich Erzherzogin Stephanie und am 6. Mai 1894 Erzherzog Ferdinand Karl anlässlich eines Volksfestes in Gedenken an 1809 zu Gast. Die Andreas-Hofer-Gedächtniskapelle zu Ehren des Herz Jesu wurde am 26. April 1903 eingeweiht. Am 31. Mai 1909 fand eine patriotische Vorfeier zur Jahrhundertfeier und zum 150-Jahr-Jubiläum statt. 1959 wurde die Neue Andreas-Hofer-Gedächtniskapelle (Unterbergkapelle) errichtet. Und, und, und. Kein Wunder, dass mich Filmteams als Schauplatz schätzen. Vor kurzem hat der ORF III mit Karl Hohenlohe hier gedreht…

Gasthof Zum Schupfen, (c) Philipp Reiter
Gedeckter Tisch im Gasthof Schupfen

Ja, mein Ambiente und ich – wir sind ein wahres Stück Geschichte. Dabei weltoffen und jung. Nur logisch, dass jemand neue Stories hinzufügen wird. Ich bin aufgeschlossen und herausgeputzt. Und freue mich schon.

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